Die Westhäuser Kreuzträger
St. Pankratius in Westhausen
Geschrieben von: Rita Reiter   

Tausende Christen werden sich am Sonntag wieder in den Passionszug einreihen, der durch Heiligenstadts Straßen führt und in dem sechs lebensgroße Bildnisse mitgeführt werden, die den Leidensweg Christi darstellen. Unter ihnen sind auch die Männer aus Westhausen, die das Kreuz tragen.

 

 

 

Tausende Christen werden sich am Sonntag wieder in den Passionszug einreihen, der durch Heiligenstadts Straßen führt und in dem sechs lebensgroße Bildnisse mitgeführt werden, die den Leidensweg Christi darstellen. Unter ihnen sind auch die Männer aus Westhausen, die das Kreuz tragen.

Westhausen. Im Jahre 1943 nahmen Männer aus Westhausen erstmals die Aufgabe als Kreuzträger wahr. Der Krieg hatte viele Opfer gefordert, sodass die Heiligenstädter bei den Nachbarn um Hilfe baten. Bis heute sind die Westhäuser diesem Dienst treu geblieben. Unter den Ersten, die damals das Passionskreuz trugen, waren beispielsweise Hermann Mock, Friedrich Kretzmer, Heinrich Kahlmeyer, Karl Wedekind, Josef Hottenrott, Albert Meyer, Moritz Göbel und der Bodenröder Otto Bierschenk. Hermann Meyer "bestellte" die 12 Träger, die dann voller Stolz das Amt bekleideten, dieses innerhalb der Familie weitergaben oder anderweitig für Ersatz sorgten.

Jeder der Männer bekam in den ersten Jahren nach der Prozession zwei Mark von der Heiligenstädter St.-Mariengemeinde. Doch das Geld behielten sie nicht, von ihm ließen sie Ostersonntag eine Frühmesse lesen. Heute wird sie für die lebenden und verstorbenen Kreuzträger am Palmsonntag gehalten. Dass die Gemeinschaft den Westhäusern schon immer wichtig war, zeigt sich noch an einem anderen Beispiel. Wenn die Träger früher vom Passionszug zurückkamen, kehrten sie alle in der Gaststätte Müller zum Kaffeetrinken ein. Diese Tradition ließ 2007 Josef Hosbach wieder aufleben. Seither kommen die Männer samt ihren Familien im Reiterstübchen zusammen. 40 Jahre lang war auch Johannes Dreiling Kreuzträger, von 1946 bis 1986.

 

Der heute 89- Jährige war am längsten dabei. "Erst im Gehrock, dann im schwarzen Anzug", erzählt der nette alte Herr, der nicht unerwähnt lässt, dass als Zeichen der Ehrerbietung auch Zylinder und weiße Handschuhe getragen wurden. "Erst hatten nur die Handschuhe, die das heilige Grab trugen. Doch nach und nach bekamen wir alle welche", schaut er zurück. Nur zweimal in der langen Zeit konnte Johannes Dreiling wegen Krankheit nicht das Kreuz tragen. "Vom Gewicht her ist es gut, aber man muss es balancieren können. Problematisch war es nämlich, wenn wir auf kaputtem Pflaster gehen mussten", sagt der Senior, der mit dem Moped in die Stadt fuhr, sich dort umzog und bei einer alten Verwandten noch eine Tasse Kaffee bekam, bevor es losging. Jetzt trägt Sohn Engelbert das Kreuz für ihn.

"Es ist uns eine Verpflichtung. Katholisch ist man sowieso, und diese Aufgabe ist uns eine Ehre", meint der Westhäuser. Der Palmsonntag war und ist übrigens für die Dreilings immer ein Familientag. Nach der Prozession sitzen alle zusammen. Und dabei kommt manche Erinnerung auf. Jemand berichtete über die Palmsonntagsprozession noch folgendes Interessante: "Im ehemaligen Brauhaus-Gebäude war eine Gaststätte, über dieser hatte die Staatssicherheit ein Zimmer, von dem aus sie in den 80er und 90er Jahren die Prozession und die Teilnehmer beobachtete."

 

Quelle: Sigrid Aschoff /  TA

 

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