Der Marienwallfahrtsort Etzelsbach
Wallfahrtskapelle St. Marien Etzelsbach - Informationen
Geschrieben von: Peter Anhalt   
Autor: Peter Anhalt

Im Mittelpunkt Deutschlands, im Eichsfeld, zehn Kilometer von Heilbad Heiligenstadt und 1,5 km von Steinbach entfernt liegt ein kleiner Marienwallfahrtsort. Einst gehörte er zum Zisterzienserinnenkloster Beuren, seit dem 16. Jahrhundert zur Pfarrei „St. Mauritius“ Steinbach.

Der Wallfahrtsort liegt in einem weiten Wiesental. Einst stand hier ein kleines Dorf. Wer sich ihm heute nähert, sieht zunächst ein Lindenwäldchen, aus dem eine Turmspitze herausschaut. Dann leuchtet das Rot eines neugotischen Klinkerbaus aus dem Grün der Blätter hervor. Die Kapelle birgt ein Gnadenbild, eine Darstellung der schmerzhaften Muttergottes (Pieta). Dieses Bildnis wird hier seit vielen Jahren verehrt. Besonders die Bauern hatten es für sich entdeckt. Seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist verbürgt, dass sie ihre Pferde um die Kapelle führten. Der Segen des Gnadenortes sollte auch auf die Tiere übergehen.
Besonders zu Wallfahrten, aber auch das ganze Jahr über, wird die Kapelle mit ihrem Gnadenbild auch heute noch von vielen Menschen besucht. Der stille Ort ist den Eichsfeldern ans Herz gewachsen.

Zur Geschichte:
Der Wallfahrtsort fand seine erste Erwähnung in Zeiten größter Not. Infolge des Bauernkrieges 1525 wurde die Wallfahrtskapelle „Zu unserer Lieben Frauen“ in Brand gesteckt, die Glocke geraubt. Zwei Monate nach den Zerstörungen, am 1. Juli 1525, setzte die Äbtissin Margareta von Bodenhausen mit Wissen der Priorin und des ganzen Konventes ihre Unterschrift unter ein mehrseitiges Schriftstück. Es war an den Rat von Mühlhausen gerichtet. Das Kloster machte Mühlhausen für die erlittenen Verluste verantwortlich. Die Schadensliste erwähnt auch die Kirche in Etzelsbach und „des Bruders Haus daran“. Etzelsbach wurde eine Wüstung. Das Zisterzienserinnenkloster Beuren ging 1555 ein.

Der kirchlichen Überlieferung nach
fand viele Jahre später ein Bauer beim Pflügen das Gnadenbild von Etzelsbach. Er ließ es wieder aufstellen. Um 1625 trat im benachbarten Dorf Wingerode eine Pferdeseuche auf. Der zuständige Pfarrer, Johannes Simerodt (+1651), erinnerte an den früheren Wallfahrtsort und schicke die Bauern mit ihren Pferden nach Etzelsbach. Die Tiere wurden gesund. Der Ruf des Gnadenortes verbreitete sich rasch. Seit dieser Zeit führen Bauern ihre Pferde um die Kapelle. In den folgenden Jahren wurden an drei Mariefesten wieder Wallfahrten durchgeführt.

Die Wallfahrtskapelle
Es ist nicht bekannt, wie viele Vorgängerbauten hier schon standen. Die jetzige Kapelle wurde 1897/98 im neugotischen Stil errichtet. Architekten waren Paschalis Gratze und Fritz Cordier. Die bunten Fenster lieferte die  Firma Heinz Ely aus Kassel. Von der einstigen neugotischen Ausstattung ist nur weniges erhalten geblieben.
Das Ziel der Pilger ist das Gnadenbild, eine Pieta aus dem 17. Jahrhundert. Sie steht im südlichen Kirchenschiff. Die Besucher spüren: hier ist ein besonderer Ort, geheiligt durch Gebete. Viele Generationen lang haben Menschen vor dem Bildnis der schmerzhaften Muttergottes innig betend verweit. Manches leidvolle Schicksal wurde hier Maria anvertraut.  

Pferdewallfahrt
Für die Wallfahrt am zweiten Sonntag nach dem Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli), hat sich in den letzten Jahren der Begriff „Pferdewallfahrt“ eingebürgert. Sie ist die bestbesuchte Wallfahrt in Etzelsbach. Deswegen waren immer besonders viele Pferde hier. Der dreimalige Umgang (Hinweis auf den dreifaltigen Gott) mit Pferden war einst ein Zeichen persönlicher Frömmigkeit, Jahrhunderte so praktiziert. Seit 1978 werden die Tiere nach dem Wallfahrtsgottesdienst gesegnet.  Es kommen in Durchschnitt 300 festlich geschmückte Pferde.

Besuch des Papstes
Vom 22. bis 25 September 2011 besucht Papst Benedikt XVI: sein Heimatland Deutschland. Das Motto dieses Papstbesuches lautet: „Wo Gott ist, da ist Zukunft.“ Während dieses Besuches wird der Papst am Freitag, den 23. September, auch zum Marienwallfahrtsort Etzelsbach kommen und eine Marienvesper halten. Damit will der Papst u.a. an die innerdeutsche Teilung erinnern und die Rolle der Christen bei der Wiedervereinigung würdigen.

Seien Sie als Besucher dieser Wallfahrtskapelle herzlich willkommen!


Bitte beachten Sie:   Die Kapelle gilt als Raum der Stille und des Gebetes! – Danke!

 

Gruß und Segen!    Ihr Pfarrer  F.-X. Stubenitzky
 

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