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...was vor 250 Jahren geschah (Juni 1761).
St. Petrus in Ketten in Reinholterode
Geschrieben von: Tino Ringling   

 

 

Nachdem bereits 1755 der Entschluss gefasst wurde, eine neue Kirche zu bauen wurden in den Jahren danach die Vorbereitungen getroffen. Es mussten Kalk (aus dem Dün), Steine (von Heiligenstadt) und Holz (aus dem Harz) herbeigeschafft werden.

1761, vor genau 250 Jahren, war es schließlich soweit: Die alte Kirche wurde abgerissen und damit begonnen die neue, heutige Kirche von Reinholterode zu bauen. Bereits 1756 wurde mit dem Mauermeister Hentrich ein Vertrag (Contract) geschlossen, der 1761 nochmal ergänzt wurde. Dieser soll wörtlich wiedergegeben werden:

Zusatz des Accordes, den Kirchenbau zu Reinholterode bedreffend, geschehen zu Reinholterode den 14. Mai 1761.

Da von den Hoch. Herrn Commissario gütigst war erlaubt worden, sich mit den Mauerm. Joachim Hentrich, so die Kirche zu Reinholterode wiederum aufzubauen angenommen, in einen neuen Contract wegen wegen dem zu endern seyenden Thurme einzulassen, auch dieser unter dem 5. Mai a.c. in soweit aufgerichtet worden, Daß solcher von dem Hochw. Commissariate sollen approbiert u. confirmiert werden, weilan aber von Hochdemselbigen noch einige Anmerkungenzu annotieren ist beliebt worden, so seynd solche unter oben gesetzten Dato mit besagtem Mauermeister Hentrich unter folgenden paragraphis, was die zu bauende Kirche selbst u. was den aufzuführenden Thurm betrifft, abgehandeld worden.

Damit nun aber der Thurm eine Proportion mit der Kirche habe, so ist darum folgender Contract aufgerichtet worden u. zwar

1) wird der Turm der Kirchenbreite nach der untersten Kirchenmauer in der Breite völlig gleich, u. seine Länge behaltet er nach dem Abriß.
2) Mitten in den Thurm muß eine Thür eingehen, welche 5 Schuh u. 9 1/2 Fuß hoch wird.3) Die Thür, so in die Kirche gehet, wird zwar im Kreuzbogen gebaut, die Thür im Thurm aber wird nach Proportion im Circel-Bogen gebauet.
4) Diese Thür muß gleich der anderen von inwendig aufgehen (d.h. nach innen schlagen)
5) Über diese Thür muß ein blinder Bogen geschlossen werden, welcher verhindert, daß die Turmlast dem Thürsturze nicht schadet.
6) Bleiben die Fenster im Turm wie im Abriß verzeichnet u. was bei den Fenstern in der Kirche vorbehalten u. veraccordiert

7) Da die Turmmauern, den Kirchenmauern völlig gleich, werden aufgeführt werden sein, so wird der Turm eingezogen u. auf drei Schwibbogen gesetzt, welche nachen auf zwei Pfeilern, die in die Kirche zu stehen kommmen.
8) Die Pfeiler in der Kirche werden nach der Kirchenbreite 4 1/2 Schuh breit, nach der Kirchenlänge aber 5 Schuh lang.
9) Damit die Turmmauer auch einen Halt von außenher bekommt, so müssen auch von daher ebenmäßig zwei Pfeiler mit der Mauer aufgeführt werden.
10) Die zwei Nebenteil des Turmes zwischen den Pfeilern u. Mauer werden nämlich sowohl als die Kirche gewölbt, die Mitte des Turmes aber, da sie so weit wird, u. das Gewölb kein gehalt bekommt, wird aber mit Balken gemacht.

11) Da nun der Turm eingezogen wird, bekommt er seine Vierkante, welche in den auswendigen Ecken 25 Schuh oben auf dem Klockenboden nach der Kirchenbreite, im Lichten 18 Schuh nach der Kirchenlänge aber im Lichten 17 Schuh in sich halten muß.
12) Wo der Turm seine Vierkante bekommt, müssen neben dem Turm zwei Mauern von sauber polierten Steinen mit Schnörkeln gesetzt werden, welche das Dach bekleiden, damit der Wind dem Dach nicht schadet
13) Wie unter dem Kirchdach die Gesimssteine gehen, also müssen sie vor dem angeschöpften Sparrn des Kirchdaches hingehen
14) Der Turm wird nach Abriß 64 Schuh hoch u. mit Dreigesims (Unter-, Mittel- u. Ober) aufgeführt.
15) Auf den untersten Boden des Turme kommt vom hindersten Teil des Turmes ein Fenster, damit Helligkeit auf den Boden fällt
16) muß auch die Thür auf das Gewölb der Kirchen vom Turme her verfertigt werden
17) Die Schallöcher neben den Glocken, wie der Abriß zeiget, werden 4 Schuh breit u. 8 Schuh hoch
18) verspricht der Mauerm. die dazu erforderlichen Mauersteine zu brechen, die Pfeilersteine aber müssen von ihm gebrochen werden.
19) Worauf dann dem Mauerm. dieses alles beschriebenermaßen zu machen versprochen worden, daß ihm über die schon veraccordierten 700 Thl noch 120, schreibe Einhundertzwanzig Reichsthaler sollen gezahlt werden.
20) Der Mauerm. dagegen verspricht abermals, für allen Schaden der Kirchen u. des Turmes zu Stehen.
21) Übrigens bleibt der Contract, so die Kirchen selbsten betrifft, unverändert.

Zu wessen mehrerer Sicherheit wir dieses, wenn es von dem Hochw. Commissariate gütigst confirmiert werden, hiermit durch unsere Unterschrift befestigen.

Auf Commission des Hochw. Herrn Commissarii

Joan Joachim Weinrich des Erzbisch Commissariates des Eichsfeldes Assessor mppa

Gesamtrichter Casp Frohm u. Bauherr der Kirche

Hans Heinr. Leineweber, Bauherr der Kirche,

Joachim Hentrich Mauermeister

Dieser Zusatz des Accordes des Kirchenbaues zu Reinholderoda wird vom allhiesigen Erzbisch. Commissariat mit diesem ausdrücklischen Vorbehalt, daß 1 1/2 Schuh das Hauptgesims über die Kirchenmauer überspringe u. herausgeht.

Duderstadt 25. Mai 1761

J. J. Huth

Commissarius Eichsfeldiae   mppa

 

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