Wallfahrt zum Fest Mariä Geburt 2017
Wallfahrtskapelle St. Marien in Etzelsbach
Geschrieben von: Peter Anhalt   

Autor: Peter Anhalt

Bereits vor zwei Jahren war Altabt Pater Benedikt Müntnich von der Benediktinerabtei Maria Laach zu einer Wallfahrt in Etzelsbach. In diesem Jahr kam zur 3. Wallfahrt (Fest Mariä Geburt) Pater Philipp Meyer als Vertreter dieser weithin bekannten und über 900 Jahre alten Abtei.
Pater Philipp kennt das Eichsfeld schon von mehreren Besuchen. Er ist mit ganzem Herzen Kirchenmusiker und hat bereits Konzerte an der Oehninger-Orgel in der Worbiser Antoniuskirche gegeben. Des Weiteren ist mit einer Familie im Eichsfeld befreundet. Seine Predigt hatte daher lokalen Kolorit und stellt einen hohen Anspruch an die Eichsfelder.
Deshalb soll sei nachfolgend in Gänze veröffentlicht werden.



Predigt von Pater Philipp Meyer, OSB, in Etzelsbach zum Fest "Mariä Geburt"

Liebe Kinder und Jugendlichen, liebe Schwestern und Brüder. Ende August sagte der AfD-Politiker Alexander Gauland hier im schönen Eichsfeld folgenden Satz. „Ladet Aydan Özoğuz, die Integrationsbeauftragte der Deutschen Bundesregierung, mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“Einmal davon abgesehen, dass solche Worte dieses polemischen Pöblers bei uns allen Entsetzen hervorrufen müssen, so konfrontieren sie uns aber auch mit einem gewichtigen Stück unserer deutschen Geschichte und ganz konkret der Geschichte des Eichsfeld mit seiner besonderen Kultur und seinem besonderen Hintergrund. Seit einigen Jahren sind meine Kontakte zu einer Familie hier im Eichsfeld gewachsen und ich habe hier Menschen und ihren Hintergrund kennenlernen dürfen, viel von der Geschichte und der Kirche in dieser Gegend erfahren. Aus dieser Erfahrung möchte ich schließen, dass diese Aussage Gaulands besonders hier im Eichsfeld auf taube Ohren stoßen müsste.

 

Liebe Mitfeiernde hier bei dieser Wallfahrt, ihr hier im Eichsfeld habt großartiges geleistet in der jüngeren Geschichte, denn nicht die „deutsche Kultur“, die es so einfach natürlich gar nicht gibt, macht euch zu einem besonderen und bedeutenden Flecken Erde, es ist nämlich euer katholischer Glaube! Euch ist heute das Wort der Lesung aus dem Buch Micha zugerufen: „Du, Betlehem-Efrata, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll“ (Mi 5,1). Für euch heißt das heute: Du, Kirche im Eichsfeld, scheinbar klein und gering in der großen weiten Kirche, aus dir wird neuer Glaube wachsen, der erfüllt ist vom Glanz des Herrn. Und der beste Beweis für die Strahlkraft des Eichsfelder Katholizismus ist der Besuch unseres geliebten Papstes Benedikt XVI. hier an dieser Stelle am 23. September 2011. Der Glaube an Gott und sein Evangelium hat hier so tiefe Wurzeln, dass zwei terroristische Regime ihm nicht trotzen konnten, im Gegenteil: In den finstersten Zeiten unserer deutschen Geschichte haben hier Mensch aus der Kraft des Glauben gelebt, geliebt und gelitten und damit das tiefste Zeugnis der Nachfolge Jesu gegeben, wie es uns Maria vorgelebt hat. Und dafür möchte ich mich bei euch bedanken. Denn dieser euer Glaube beeindruckt und stärkt die ganze Kirche, besonders die oft so müde und gesättigte deutsche Amtskirche. Ich möchte mich bei euch bedanken, dass ihr dieses Zeugnis in der Kirche und für die Kirche gebt und denen Mut zusprecht, die kraftlos geworden sind, jenen, die nur schwarz sehen, die Schönheit des Glaubens zeigt. Dass ihr denen, welche nur motzen und meckern zeigt, wie Kirche gehen kann und denen, die meinen, die Rettung der Kirche liegt in Kommissionen und Arbeitskreisen zeigt, dass die Kirche zuerst eine lebendige Gemeinschaft ist.

Liebe Freunde, der Glaube rettet, sagt der Apostel Paulus (vgl. Röm 3,28), und zwar nicht der Glaube an mich selbst oder ein Regime, sondern der Glaube an Gott, der uns durch Gottes Offenbarung und durch die Tradition überliefert ist. Darum feiern wir die Geburt Mariens und hören an diesem Tag den großen Stammbaum des Herrn. Jesus ist nicht vom Himmel gefallen; vielmehr wollte der Vater, dass sein Wort zu den Menschen von einem Menschen gesprochen wird, und so ist sein Wort Mensch geworden und hat unter uns gewohnt (vgl. Joh 1,14). Der gelebte Glaube ist die Verbundenheit mit der Tradition und aus diesem wuchs die Kultur. Kultur ohne Rückbindung an die Tradition wird Ideologie. Doch die Kultur dieses Landes ist nicht statisch, wie auch die Geschichte der Kirche nicht statisch ist. Schon Maria und Josef fanden keine Herberge und mussten nach der Geburt des Herrn vor verblendeten Potentaten fliehen und die Heiligen Drei Könige kamen aus einer anderen Religion und Kultur und sollten durch die Machthabenden instrumentalisiert werden, damit das neugeborene Kind getötet wird. Maria und Josef haben auf ihrer Flucht Aufnahme gefunden und die Heiligen Drei Könige wurden in Betlehem gern willkommen geheißen – wir sind Erben dieser Tradition und Kultur. Das ist die gelebte Glaubenskultur des Eichsfelds, so habe ich es hier kennengelernt. Die Kultur, von der Herr Gauland spricht, die will doch im Ernst keiner haben, denn sie wiederspricht allem, was uns Christen heilig ist – er und andere Pöbler verkünden die Antikultur des Glaubens und des katholischen Eichsfelds.

Liebe Schwestern und Brüder, diese unsere Kultur des Glaubens hat das Eichsfeld vor der Ausrottung unseres katholischen Glaubens bewahrt, weil ihr euch durch den Kommunismus nicht eine Ideologie habt überstülpen lassen, die, erfunden von Menschen, die Entpersonalisierung des Menschen zur Folge hat. Ihr habt in schwierigsten Zeiten und oft unter großen Opfern zum Wort gehalten, was uns rettet und uns Heil und Leben bringt. Was haben die Genossen nicht alles probiert um euch klein zu bekommen und haben es nicht geschafft. Doch glaubt bitte nicht, dieser Kampf sei vorbei. Dieser Kampf ist nicht vorbei und erreicht noch viel größere Dimensionen. Über ein viertel Jahrhundert ist das DDR-Regime nun schon gefallen und es besteht die Gefahr, sich in der scheinbaren Ruhe einzurichten. Wie viele junge Menschen kennen die Schreckenszeit nur noch aus Geschichten, von denen man denken könne, sie seien unwiederholbar vorbei. Und durch diese Denke verflüchtigt sich der Glaube, der einst zum festen Zusammenhalt der Menschen im Eichsfeld beigetragen habt. Macht nicht den gleichen Fehler wie der Rest Deutschlands. Wir brauchen diese eure kleine Region im Herzen unseres schönen Landes. Wir brauchen eurer Zeugnis und eure Ermahnung, damit wir nicht alle einschlafen und uns überrennen lassen von den Ideologien und den Spinnern, die nur sich selbst groß machen wollen und dabei über Leichen gehen und die Tradition unseres Glaubens dabei in Wahrheit mit Füßen treten. Die deutsche Kirche, die Katholiken in Europa brauchen euch, ihr habt der Kirche viel zu sagen. Ihr könnt ein Lied davon singen, dass der Herr die Niedrigen aufrichtet, aber die Mächtigen vom Thron stürzt, wie Maria im Magnifikat singt (vgl. Lk 1,52). Ihr Alten, überliefert dieses Lied mit der Kraft eurer glaubenden Herzen an die Jugend; ihr Jugendlichen, singt dieses Lied lauter als den Mainstream im Radio. Denn der Mächtige will auch heute noch Großes tun an seinem Volk und durch sein Volk, weil sein Name heilig ist (vgl. Lk 1,49), und ein wichtiger Teil dieses gesegneten Volkes seid auch ihr, die Kirche hier im Eichsfeld. Inmitten von Gottesferne und Orientierungslosigkeit könnt ihr leuchten durch eure Glaubenskraft. Orientiert euch dabei an Maria, die der ganzen Kirche den Weg zum Herrn leuchtet. Hier in Etzelsbach hat die leidende Gottesmutter Generationen von Menschen Trost und Halt gegeben. Heute müsst ihr die Menschen zusammen mit Maria zu Christus führen, der doch nichts weniger für uns will, als das Leben in Fülle, was doch schließlich alle Menschen suchen.

Liebe Kinder, liebe Jugendlichen, liebe Schwestern und Brüder, wo nicht wenige Zeitgenossen Menschen die Türen vor der Nase zuschlagen wollen, die, wie Maria und Josef damals, auf die Offenheit der Menschen angewiesen sind, kann uns Maria lehren, wie Türen zu öffnen sind. Dabei dürfen wir Sie in besonderem Maße als Unsere Liebe Frau der immerwährenden Hilfe anrufen. Nicht wir brauchen die Hilfe, um unsere deutsche Kultur zu retten, sondern unser Land braucht die Hilfe der Gottesmutter, um nicht in Kulturlosigkeit, Gottesferne und Barbarei zu versinken. Wenn ihr euren Glauben so lebt, dann wird, egal was Herr Gauland und seine Spielgefährten pöbeln, jeder Mensch gern zu euch kommen und, noch viel wichtiger, gestärkt durch euren Glauben wieder von dannen ziehen und von diesem Glauben erzählen und ihn weitergeben. Das ist die Glaubenskultur des Eichsfelds, das ist unser schöner Glaube, der Glaube der katholischen Kirche, den uns nichts und niemand nehmen kann, weil er in unseren Herzen verankert ist. Und wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Lebt euren Glauben und sprecht von ihm, damit er wachsen kann hier und von hieraus weit über die Grenzen des Eichsfelds hinaus. Amen.

 

 

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